Dem Heiligen Geist auf der Spur – Eine Begegnung der besonderen Art

01.06.2020

Mein erster Clip entstand am Pfingstmontag. Ich gehe dabei verschiedensten Fragen nach: Wie tickt der Geist Gottes? Wo taucht er auf und wirkt etwas? Wo kann ich ihn in meinem Leben entdecken? Was sind seine liebsten Landeplätze und Mitfahrgelegenheiten? Warum gehört Wasser und Geist zusammen? Warum kommt er uns oft so schräg und stürzt uns mitunter ins Chaos?

Ich möchte etwas teilen und mitteilen, was zu Pfingsten geschehen ist uns berühren und inspirieren kann. Vielleicht gibt es dabei auch für Dich etwas zu entdecken.
Am Pfingsttag wird der Geist in die Herzen der Menschen ausgegossen, den Jesus seinen Nachfolgern als Beistand und Kraftquelle angekündigt und versprochen hat. Ich kann auch sagen, Jesus hat am Pfingsttag ein Portal geöffnet, dass uns in eine bewusste Verbindung bringt zum Geist des Lebens.

Der Geist steht für Bewegung und Kraft, Inspiration und Erneuerung. So jedenfalls müssen ihn die Nachfolger Jesu am Pfingsttag erlebt haben und so wirkt er bis heute. Zugleich ist es der Geist, der alles Leben schafft und erneuert und der schon im Anfang der Schöpfung über den Urwassern des Lebens schwebte. (1. Mo. 1,3)

Ich gehe auf der Höhe des Frühlings hinaus in den Garten und sehe, alles ist im Werden. Ich schaue... und das Leben entfaltet sich vor meinen Augen. Wunderbar! Die Natur gibt uns den Trost und die Gewissheit: Das Leben erstarrt nicht. Entfaltungen sind möglich.

Aufbrüche können geschehen. Die Natur wird so zum Sinnbild für die Geistkraft, die Hildegard von Bingen treffender Weise auch als Grünkraft bezeichnet. „Der lebendige Geist geht aus, wird grünender Leib und bringt seine Frucht.“

Die Natur bringt uns wohl deshalb so viel Trost und Heilung, weil sie uns in Verbindung bringt mit der Grünkraft des Lebens, gerade dann, wenn wir unser Leben als abgestorben und unfruchtbar empfinden.

Vielleicht kennt ihr das Gefühl: alles fühlt sich starr und hart an. Das Leben ist festgefroren. Viel Unruhe und Betriebsamkeit, aber keine wirkliche Bewegung. Und dann kommt eine Bewegung, ein Impuls, den ich nicht vorhersagen oder machen kann. Die Dinge geraten in Fluss.Das Leben selbst ist etwas Fließendes. Der Geist bewegt und beseelt die Dinge, hält sie in Schwingung und Verbindung. Er ist die Antwort auf unsere Sehnsucht nach Lebendigkeit. Der Geist, den Jesus sendet spricht: Offb. 22:17 Komm! Wer durstig ist, empfange umsonst das Wasser des Lebens. Geist und Wasser gehören zusammen. Der Geist - der Flüssigmacher meines Lebens. Er macht lebendig (Joh. 6:63/2.Kor 3,6). Ja, er ist die Essenz von Leben (Römer 8,10). „Ohne dein lebendig Wehn, kann im Menschen nichts bestehen“ heißt es in einem alten Pfingsthymnus. Jesus sagt: Der Geist ist unberechenbar und voller Überraschungen. Du hörst plötzlich sein Rauschen; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. Und jeder, der den Geist Gottes in sich wahrnimmt (Jesus sagt, aus ihm geboren ist) wird staunen, was da gerade um ihn herum geschieht. (Joh. 3,8)

Das Wunderbare an dem Wirken des Geistes ist: Er ist erstaunlich kreativ. Er kann die Dinge umdrehen, wandeln, d.h. er kann sogar schlechte Dinge nutzen, um daraus etwas unerwartet Neues und Gutes entstehen zu lassen. Der Geist hat immer das Überraschungsmoment auf seiner Seite. Er bricht ganz unverhofft in unser Leben ein. Und gerade das ist der Ausdruck seiner Lebendigkeit. Wir können ihn nicht einhegen, lenken oder manipulieren.

Ich denke, er nutzt in seiner Kreativität sogar diesen lästigen Covid19 Virus. Er setzt sich da für eine Weile drauf, als Mitfahrgelegenheit sozusagen, als Transportmittel für sein Treiben. Bekanntlich weht der Geist, nach Jesu Worten, wo er will (Joh. 3). Bei allen negativen Auswirkungen des Virus ist eine Folge zumindest ambivalent, in Teilen gar positiv: Es unterbricht uns. Es bringt alles durcheinander. Durchwühlt, wie ein Einbrecher die Schubladen, so dass man hinterher alles neu sortieren darf. Damit Neues gedacht, probiert, getan werden kann, braucht es eine Unterbrechung des Gewohnten. Einen Einbruch in unsere Ordnungen und Gewohnheiten. Und hier kommt der Heilige Geist mit seinem ganz unergründlichen Sinn für Kreativität ins Spiel. Wir stehen erst mal vor dem Chaos und atmen tief durch. Dann überlegen wir, wie es weiter geht. Das setzt Entwicklungssprünge in Gang. Bestimmte Dinge ändern sich so rasch, wie sie sich in den normalen festgezurrten Zeiten nie hätten wandeln können. Es entsteht eine überraschende Beweglichkeit.

Es passiert natürlich auch viel Schlechtes und Unsinn: Verschwörungstheorien grassieren, überzogene Restriktionen werden verordnet, Menschen werden isoliert und vereinsamen... Aber in dieser Ambivalenz läuft das Leben. Wer mit dem Heiligen Geist lebt, der hält die Augen und Ohren offen, um zu hören, wie der Geist durch das ganz normale Chaos unseres Lebens spricht.

Der Geist sucht gern Mitfahrgelegenheiten, besonders dort wo überraschende, merkwürdige und manchmal auch schmerzhafte Dinge geschehen. Denk einmal darüber nach, was gab dir Anstöße zu den besonderen Wendungen und Veränderungen in deinem Leben? Da hat dich etwas aus der Bahn geworfen und durch diesen ungewohnten Spurwechsel findest du dich wieder in neuen Zusammenhängen. Der Anstoß zu neuem Denken und Handeln ist gegeben. Bisher ungenutzte Potentiale werden aktiviert. Neues kann Raum gewinnen. Einige erleben das wie ein Erwachen in eine neue Wahrnehmung. Der Raum hat sich geweitet.

Der Geist kann auf äußerst unangenehme Weise in mein Leben einbrechen, kann alles in Frage stellen und mich doch dabei neu aufstellen. Etwas Mitwirkung und Einwilligung braucht es dabei schon.

Und es ist immer eine Frage der Deutung und unserer Haltung dem Leben gegenüber, wie wir erleben, was wir erleben. Ja, der Geist ist auf unsere Mitwirkung angewiesen. Er öffnet uns einen Raum, aber wir müssen auch eintreten und den Raum nutzen. Er gibt uns einen Anstoß, wir müssen die Energie, den Schub aufnehmen. Er entzündet in uns ein Feuer – wir können es nähren. Er schafft neue Zusammenhänge – wir halten die Augen offen, um sie zu erkennen. Wir halten die Nase in den Wind, um den Duft des Frühlings aufzunehmen, der sich ankündigt. Wir stellen die Ohren auf Empfang, um das unerhört Neue in uns zum Klingen zu bringen. Die Wahrnehmung der Wirklichkeit ist immer ambivalent. Fast jedes Ding lässt sich verschieden deuten und sehen und erklären. Der Geist, den Jesu uns sendet, wird uns leiten, sagt er. Er ist zwar einerseits das Überraschungsmoment in unserem Leben. Aber er ist auch der innere Kompass, der uns führt. Er ist das Licht, das uns aus dem Zwiespalt in die Klarheit leitet.

Der Geist Jesu leitet uns immer zum Leben hin. Dorthin wo das Erstarrte ins Fließen kommen soll. Dorthin wo Getrenntes verbunden werden soll und das Vereinzelte sich als Teil eines Ganzen entdeckt. Wo das Verunsicherte mit Gaben befähigt wird, und wo das Schwache Stärkung erfährt. Er lässt uns in der unüberschaubaren Komplexität unseres Lebens wieder eine heilsame Einfachheit entdecken. Er holt uns aus unseren Verstimmungen und stellt uns in eine verblüffende Stimmigkeit. Im Chaos zeigt er uns verborgene Harmonien. Er führt uns ins Staunen und Loben über die Wunder des Lebens. Der Geist Jesu bringt uns den Duft des Lebens, der den Geruch des Todes vertreibt.

Stefan Wohlfarth
Pfingsten 2020

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