Hineingenommen und berührt - Mit Jesus durch die Karwoche

27.03.2021

Hineingenommen und berührt - Mit Jesus durch die Karwoche

In den Tagen von Palmsonntag bis Ostern wird der Weg Jesu durch Leiden, Kreuz und Tod bis zur Auferstehung in unsere Zeit gehoben. 

Wir stehen mal an der Seitenlinie, mal werden wir durch eine Resonanz in das Geschehen hineingezogen.
Mal trifft uns ein Wort, mal berührt uns ein Bild. Auch durch Lieder und Musik kann etwas in uns geweckt werden.
Und auch das nicht enden wollende Pandemie-geschehen kann von diesem spannungsvollen und zugleich alles wandelnden Weg berührt werden.

Wir gehen mit auf Jesu Weg, betrachtend, meditierend.
In einem Passionslied heißt es: Herr stärke mich dein Leiden zu bedenken, mich in dem Meer der Liebe zu versenken. (Ev. Gesangbuch Nr. 91)
In der Karwoche verdichtet sich die Spannung zwischen Leid und Freude, Tod und Leben, Hass und Liebe, Ja und Nein.
In dem Choral, Das Kreuz ist aufgerichtet, heißt es:
Das Ja erscheint im Nein, der Sieg im Unterliegen, der Segen im Versiegen, die Liebe will verborgen sein. (EG 94)
Im Verborgenen wird etwas bewegt, kündet sich etwas an. Korn, das in die Erde in den Tod versinkt, Keim der aus dem Acker, in den Morgen dringt.... tönt es uns in der bildhaften Sprache des Passionsliedes von Jürgen Heynkes entgegen. Das Weizenkorn, Bild der Hingabe und des Loslassens, sammelt unterirdisch seine Kraft. Es kommt in Bewegung, bald springt es auf, der grüne Halm ist da. Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün. (EG 99)

Diese Zeit vor Ostern kann mit ihren Bewegungen und Bildern für uns sprechende Zeit werden.
Sie taucht unser Leben in ihr Licht und in ihre Schatten.
Jede und jeder von uns geht Wege durch Zerbruch zum Heilwerden, durch Dunkelheit zum Licht, durch Zweifel ins Vertrauen, durch Trauer zur Freude.
Von Jesu Weg her gewinnt mein Weg an Sinn und Würde. Er erscheint als Teil eines großen heilvollen Zusammenhangs.
In ihm können unsere Rätsel aufleuchten. Unser Schmerz ist nicht mehr sinnlos und verloren, sondern eingebettet in den Schmerz des Kreuzesmannes. Und mit ihm wird unser Schmerz, alles Ungenügen und Versagen über den Golgathahügel zum hellen Ostertag getragen.

Der irische Dichter und Philosoph John O Donohue drückt es so aus:

Poetisch gesprochen besitzt jeder Schmerz, jede Widrigkeit, jede Trauer eine kreuzförmige Struktur. In diesem Sinne ist das Kreuz kein äußerer Gegenstand, der weit weg, auf einen Hügel Jerusalems gehört. Die Kreuzgestalt wohnt vielmehr dem menschlichen Herzen inne. Jedes Herz hat Kreuzgestalt.
Betrachten wir die verschiedenen Konflikte in unserem Leben, erkennen wir, dass sie Orte sind, an denen Widersprüche einander kreuzen.
Dieses Zeichen verspricht jedem einzelnen von uns, dass wir niemals den einsamen Weg des Leidens beschreiten müssen, ohne vor uns die Fußspuren zu sehen, die über die Kuppe des Berges fuhren, wo uns die Auferstehung erwartet. 
(Echo der Seele, S. 216)

Stefan Wohlfarth

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