Wieder gehen wir auf Weihnachten zu und blicken bereits auf das kommende Jahr. Mit diesem Brief möchte ich einen Impuls anbieten, der helfen kann, sich auf das Christfest einzustimmen. Daneben gibt es Rückblick auf Gewesenes und Hinweise auf Kommendes.
Wir, im Haus der Stille, sind dankbar für dieses reiche Jahr. Während die Welt - wie Paul Gerhardt dichtet - "tobt und springt" und Kapriolen schlägt, singen und beten wir in unserer Klosterkirche "in gar sicherer Ruh".
Viele Menschen sind unserer Einladung gefolgt, konnten bei uns zur Ruhe kommen, sich die Sorgen aus der Seele streichen lassen, aufatmen. Sie sind beschenkt worden und haben uns beschenkt mit ihrem Dasein und ihren Einsichten. Fast alle unsere Angebote waren gut gefüllt, was uns für unsere Arbeit Sicherheit und Perspektive gibt.
Viele vertraute aber mindestens ebensoviele neue Gesichter sind uns in den Kursen begegnet. Immer mehr Menschen finden uns über das Internet. Längst kommen Menschen aus den entlegensten Winkeln der Republik zu uns. Unser papiernes Programmheft, dass in diesem Jahr spät in Druck ging, verliert an Bedeutung.
Wir danken dem Himmel, der Segen für unsere Arbeit schenkt, aber auch unseren Gästen, die uns ihr Vertrauen und ihre Offenheit schenken.
Dieses weihnachtliche Fresko mit Maria und dem Kind, das ich bei einem Besuch in Assisi entdeckte, kann man als Fragment bezeichnen. Irgendwie hat es mich angezogen, vielleicht gerade wegen der Leerstellen auf dem Bild und seinen Leerstellen. Es erinnert mich daran, dass unser Leben selbst Fragment bleibt und der Vervollständigung bedarf. Es muss immer etwas hinzukommen, das wir selbst nicht machen können. Auch das, was wir als Wirklichkeit erkennen ist Fragment. Und auch in der Weihnachtsgeschichte wird zwar Wesentliches erzählt, aber zugleich bleibt vieles ausgespart, verborgen und unsagbar.
Die gerade noch sichtbaren Gesichter zeigen Maria und das Kind. Eine gewissen Intensität begegnet uns in den Augen des Kindes, die uns direkt anzusehen scheinen. Ich kann mich diesem Blick kaum entziehen. Dagegen wirken Marias Augen wie verschlossen oder nach innen gekehrt, doch auch zugleich dem Kind zugewandt. Nach der Weihnachtsgeschichte des Lukas bewegte sie, was geschah, in ihrem Herzen.
Vieles bleibt unsichtbar und dennoch erzeugt das Bild eine Klarheit und einen Fokus auf Wesentliches. In die freien Stellen kann ich meine eigenen Gestimmtheiten einzeichnen. Oder ich kann diese Leere einfach stehen- und wirken lassen.
Mich lädt dieses Fragment ein, still zu werden, mit Maria im Herzen zu bewegen, was mich an diesem Christfest anrührt und mich in den klaren Blick des Kindes zu versenken. Kontakt zu suchen zu dem Kind, das auch in mir geboren werden will und von mir empfangen werden möchte.
Viele Menschen können nicht mehr loslassen und sind besetzt von dem, was sie umtreibt, antreibt und fordert. LOSLASSEN, LEICHTWERDEN, ZUR SCHALE WERDEN UND FRIEDEN EMPFANGEN - Das ist die Verheißung dieses Meditationsweges.
Die Einübung in das HERZENSGEBET ist ein Weg, der im Alltag weiter gegangen werden kann. Immer mehr Menschen entdecken diesen Gebetsweg für sich. Er führt in die Einfachheit, reinigt die Gedanken und bringt das unruhige und verzagte Herz in Gottes heilende Gegenwart. Gerade in der gegenwärtigen Zeit mit ihren Umbrüchen und Bedrohungen, ist diese Gebetsform wie ein Anker im Sturm. Frieden und Klarheit erwachsen aus diesem Weg.
Seit fast 20 Jahren bin ich selbst mit dem Herzensgebet unterwegs. Für mich ist es eines der kostbarsten Begleiter auf dem Weg in ein heileres und wahrhaftigeres Leben.
Dieser Kurs richtet sich auch an Einsteiger, die ohne Vorkenntnisse das Herzensgebet kennenlernen möchten. Die Meditationszeiten sind so abgestimmt und eingebettet, dass sie niemanden überfordern.
Impulse zum Herzensgebet, angeleitete Meditationszeiten, Übungen zur Körperwahrnehmung und zum Teil begleitete meditative Wege in die Natur bilden bilden Schwerpunkte dieses Angebotes.
„Wenn dein Bogen zerbrochen ist, und du hast keine Pfeile mehr und dein Köcher ist leer, dann schieß. Schieß mit Deinem ganzen Sein.“ (aus dem Zen)
Vom 19. – 22. Februar 2026 gibt es im Haus der Stille die Möglichkeit, auf sehr grundlegende Weise Zen- Meditation kennenzulernen. Stefan Matthias, evangelischer Pfarrer und gleichzeitig Zen- Meister aus der Schule des Herzensgrundes führt in das Wesen des Zen ein und leitet zur Praxis an. Auch Fragen in Hinblick auf Zusammenhänge und Spannungen zwischen christlichem Glauben und der Praxis der Zen- Meditation können eingebracht werden. Im Vordergrund steht jedoch die intensive Erfahrung im „Sitzen, nur Sitzen“, die durch Gehmeditation, Kurzvorträge und Einzelgespräche ergänzt wird. Weitere Informationen auch unter https://offene-weite.info
Gern möchte ich aufmerksam machen auf ein neues Format, das mir sehr an Herzen liegt. Vom 18. – 21.6.2026 gibt es zum ersten Mal im Haus der Stille Einkehrtage mit Schreib- Exerzitien. Wer schreibt, findet zu Ausdruck und Sprache für sich selbst, für Erfahrungen und Erlebnisse, die einen umtreiben. Wer zu Gott hin schreibt, kommt schreibend ins Beten. Es können Dialoge sich entfalten, die das Lebensgespräch mit Gott ganz neu bereichern und lebendig machen.
In 2026 gibt es wieder eine Jahresgruppe „Neige meines Herzens Ohr“ am Haus der Stille. Sie ist für Menschen gedacht, die der Stille einen verlässlichen Raum in ihrem Leben geben wollen und bereit sind, sich für eine Weggemeinschaft an vier Wochenenden im Jahr zu binden. Die geistlichen Impulse kommen aus der Begegnung mit vier inspirierenden Menschen aus verschiedenen religiösen Kontexten: Etty Hillesum, Thich Nath Han, Madeleine Delbrel und Dietrich Bonhoeffer. Weitere Informationen und Termine im Programm des Hauses der Stille. Es gibt noch drei freie Plätze!
Bei Fragen zu den letzten beiden Angeboten können Sie sich gern direkt an mich wenden: i.sonnabend@kloster-druebeck.de
27.3.-29.3.2026
12.-14.6.2026
11.-13.9.2026
11.-13.12.2026
Auch wenn dieses Angebot noch andauert, möchte ich hier bereits zurückblicken. 34 Teilnehmer waren und sind noch dabei. Viele anrührende und auch erstaunliche Rückmeldungen erreichten mich bisher und auch bei den Austauschrunden via ZOOM staune ich über die Vielfalt der Eindrücke und Erfahrungen, die so ein gemeinsamer Weg ermöglicht. Die drei folgenden Podcasts geben einen Eindruck von der inhaltlichen Ausrichtung dieses Angebotes.
Ein unterwegs, heimatlos geborenes Kind, weckt in den Menschen seit 2000 Jahren ein Gespür für Heimat und Geborgenheit. Es weckt die Sehnsucht nach Eintracht und Frieden. Diese Spannung versuche ich fruchtbar machen. Darin kann uns ein Sinn, eine Bedeutung aufgehen, der ich nachspüre.
Reinhold Messner, Extrembergsteigerlegende, sagt in einem Interview: Das wichtigste beim Bergsteigen ist zu wissen, wann es dran ist, umzukehren. Ein Drittel seiner Expeditionen hat er wieder abgebrochen. Deshalb lebt er noch.
Umkehr beschreibt eine Dynamik, die uns hilft, Ballast loszulassen, uns von Abhängigkeiten und lebensfeindlichen Mustern zu lösen, um dem Leben in Fülle wieder auf die Spur zu kommen.
Für viele ist Advent zuerst Zeit des Wartens auf Weihnachten und bei Kindern besonders stark verbunden mit dem Warten auf die Bescherung. Der Advent lebt aber auch von einer Gegenbewegung, die von uns kommen kann. Daher gehört der Aufbruch genauso zu Advent wie das Warten. Mit dieser Folge möchte ich dich in diese adventliche Bewegung mit hineinnehmen und dich dazu reizen, dem nachzuspüren, was Aufbruch für dich in dieser Adventszeit bedeuten kann.
Ein frohes Zugehen auf das Christfest und behütete Wege in das neue Jahr
wünscht auch im Namen von Irene Sonnabend und Sonia Meißner
Auf unserer Website finden Sie aktuelle Informationen zu unseren Angeboten.